Das Glück anders zu sein

Wir anderen. Wir leisen Stimmen, die wir im Trubel der Welt oft überhört werden. Wir Empfindsamen, die wir uns in Menschenansammlungen unwohl fühlen und ein ganzes Meer an Ruhe brauchen. Wir Unscheinbaren, die wir uns nicht zu erkennen geben, sei es aus Zurückhaltung, aus Angst oder aus Vorsicht heraus. Wir einfachen Wesen, die wir die Fähigkeit bewahren, uns über Kleinigkeiten zu freuen: Ein aufmunterndes Wort, ein freundlicher Blick, eine Umarmung, ein Lächeln. Wir Zartbesaiteten, die wir uns schroffe Worte mehr zu Herzen nehmen, als gut für uns ist, denen still und heimlich Tränen über die Wangen kullern. Manchmal sind wir hochsensible Frauen und Männer, manches Mal Menschen aus dem autistischen Spektrum, ein anderes Mal wissen wir selbst nicht, warum wir so sind. Wir sind anders. Vielleicht haben wir Einschränkungen physischer oder psychischer Natur, vielleicht sind wir gesund und trotzdem anders. Vielleicht sind wir einfach nur Menschen, die mehr Träume in der Brust haben, als die Realität uns nehmen kann.

 

Wir weinen, wir lachen, wir hören, fühlen, riechen, sehen sehr viel - oft zuviel. Unsere Empfindsamkeit, unsere Wahrnehmung ist speziell - unser Fühlen, Denken und Handeln davon beeinflusst.

"Gut möglich, dass einige Dinge uns größere Mühe kosten, doch eines Tages werden wir die Freiheit entdecken, dass zu sehen, was wir können, und nicht das, was wir nicht können und dann werden wir die wahre Magie in unseren Herzen finden." (Sergio Bambaren)

Es ist ok, anders zu sein! Es ist ok, empfindsam zu sein! Es ist ok, manchmal einsam zu sein! Vollkommen ok sogar!

 

Und... wir sind nicht alleine. Wir können uns alleine fühlen, einsam sein, aber es gibt auch noch andere, die anders sind.

 

Und noch etwas... wir dürfen uns freuen und glücklich schätzen. Ein echtes Gefühl der Freude ins Leben zu integrieren ist nicht immer leicht und auch nicht in jeder Situation möglich, aber es ist erlernbar und trainierbar.

 

Als Menschen, die anders sind, bekommen wir viele Chancen und Geschenke mit auf den Weg.

 

Chancen, weil im Alltag unzählige Stolpersteine bereit liegen und Aufmerksamkeit, Kreativität und Geschick gefragt sind, um sie beiseite zu räumen, drum herum zu gehen, rüberzuklettern oder sich auch mal auffangen zu lassen, falls das Gleichgewicht verloren geht.

 

Geschenke, weil in uns Charakterstärke, Individualität und die Freiheit, wir selbst zu sein, angelegt ist. Achtsamer, ehrlicher und echter Umgang mit den Menschen im unmittelbaren Umfeld, mit Geschwistern, Eltern, Vertrauenspersonen, Partner, Kollegen ist gefragt. Jeder Moment im Miteinander hat besondere Qualitäten.

Autismus, Andersartigkeit, Empfindsamkeit, Einsamkeit, Achtsamkeit

 

Warum gerade diese Themen? Eigentlich ist die Antwort ganz einfach. Das Leben hat sie an mich herangetragen. Die damit verbundenen Gefühle und Stimmungen sind mir vertraut, begleiten mich, fordern mich, unterweisen mich. Seitdem ich denken kann, bin ich irgendwie anders. Eine Spur empfindsamer, ein bißchen stiller, einen Hauch einsamer. Für mich ist dieses so sein ganz normal. Manches Mal habe ich Glück, ein anders Mal weine ich. Heute tanze ich, morgen stampfe ich. Die Beziehung zu mir selbst ist rhythmisch. Manchmal fließt sie, manchmal pulsiert sie, manchmal explodiert sie, manchmal hüpfe ich, manchmal bin ich ganz still.

 

Die Einsamkeit war lange Zeit für mich nicht benennbar, ich war grundlos traurig oder melancholisch, konnte die Stimmungen nicht näher deuten. Die Jahre vergingen. Die Neugierde, warum ich so bin wie ich bin, hat mich motiviert genauer hinzusehen. Die Empfindsamkeit und Hochsensibilität wurden sichtbar. Ganz langsam und unscheinbar.

 

Heute schreibe und rede ich über Themen die mich berühren, mich betreffen, über die vielerorts geschwiegen wird, gebe einigen Begriffen ein Gesicht, eine Stimme, eine Handschrift und biete Hilfe zur Selbsthilfe an.

 

Zusammen probieren wir. Probieren. Trainieren. Verinnerlichen. Manches Mal gehts zusammen einfacher. Miteinander legen wir Trampelpfade an, die zu heilsamen Empfinden, zu achtsamer Wahrnehmung führen. Und ab und zu hilft es, wenn jemand präsent ist, zuhört, motiviert und inspiriert.

 

Hier kannst du nachlesen, wie es ist mit einer Autismus-Spektrums-Störung klarzukommen.