Es geht nicht darum "normal" zu sein

In der Lebensmitte angekommen, erfahre ich einen Fachbegriff für einige meiner wundersamen Seltsamkeiten: Autismus-Spektrums-Störung

 

"Was kann ich tun?", meine Frage an die Frau Doktorin der Psychotherapie, welche die Diagnostik auswertet.

 

"Trainieren." Ich erhalte eine A4 Zettel mit Adressen, verlasse die Praxis und stehe so bedattert da, wie selten zuvor in meinem Leben. Tom Hanks erscheint in meiner Erinnerung. Eine Szene aus Philadelphia, dazu die Filmmusik von Bruce Springsteen. Tom kullern gerade viele Krokodilstränen über die Wangen. Ich bemühe mich um Fassung, es gelingt mir nur bedingt. Schon jetzt erahne ich, warum ich mich seit 38 Jahren in manchen Bereichen mehr schlecht als recht durchs Leben wurschtle.

 

Eine Auseinandersetzung damit, was hochfunktioneller Autismus bedeutet, wie er ins Selbstbild integriert werden kann und wie es gelingen kann, angemessen damit umzugehen, beginnt.

 

Dr. Christine Preißmann, Ärztin für Allgemeinmedizin und Psychotherapie und selbst Autistin führt mich in ihrem Buch "Überraschend anders - Mädchen und Frauen mit Asperger" an die Thematik heran.

 

Wie viele Frauen aus dem autistischen Spektrum habe ich versucht Schwierigkeiten zu "tarnen" und Erwartung zu erfüllen, habe versucht nicht aufzufallen und unscheinbar zu sein. Von anderen Menschen werde ich als ruhig beschrieben.

 

Es ist mir gelungen, die Schulzeit zu überstehen, Freunde zu finden, mich ins Berufsleben einzufügen, die Ausbildung zur Akad. Psychosozialen Gesundheitstrainerin und Dipl. Lebens- und Sozialberaterin mit Begeisterung abzuschließen und Beziehungen einzugehen. Seit fast einem Jahrzehnt ist an meiner Seite ein Asperger Autist, ebenfalls spätdiagnostiziert, als Freund und Weggefährte.

 

Die Tatsache, das es für mein Anderssein einen Namen gibt und etwaige Einschränkungen nicht aufs eigene Versagen zurückzuführen sind, sorgen anfangs für Erleichterung und Entlastung. Gleichzeitig bereitet die Akzeptanz einer lebenslangen Einschränkung auch Schwierigkeiten und ich komme nicht darum herum, mein Leben neu zu ordnen und neu zu interpretieren.

 

Kein Einzelfall, wie mir Priska Hitz, eine Spätdiagnostizierte mit eigener Naturheilpraxis in der Schweiz erklärt, als ich mit ihr Kontakt aufnehme.

 

Es geht nicht darum "normal" zu sein, sondern mich so zu akzeptieren, wie ich bin.

 

Auf der Homepage von Autismus deutsche Schweiz, einem Verein für Angehörige, Betroffene und Fachleute, erfahre ich von Priska. Sie ist diplomierte Naturheilpraktikerin TEN. Ihr Motto: "Authentisch. Autistisch. Betroffene sind die besseren Experten."

 

Priska erzählt, wie Sie die Angst "verrückt und blöd" zu sein überwinden konnte, als das Klinikpersonal einer psychosomatischen Klinik und ihre Mitpatienten sie ernst nahmen, konnte sie erkennen, dass sie nicht die einzige ist, mit einer anderen Wahrnehmung und dass es in Ordnung ist, so zu sein, wie man ist.

 

Während der Ausbildung zur eidg. Dipl. Naturheilpraktikerin TEN bekommt sie mehr Verständnis für ihren Körper und kann sehr viele Ängste abbauen.

 

Priska lasst mich an ihrer Erfahrung teilhaben, dass eine Diagnose einen Menschen nicht verändern kann, aber es kann helfen sich selbst zu finden und neue Wege einzuschlagen und sie motiviert mich in Österreich eine kleine Insel zu werden für Menschen aus dem autistischen Spektrum.

 

Monate später. Achtsamkeitstraining, Yoga, sensorischen Pausen und unzähligen Stunden, die ich alleine in unberührter Natur, abseits von Zivilisation, gesellschaftlichen Normen und Erwartungen, umgeben von natürlichen Sinneserfahrungen verbringe, ebnen meinen ganz persönlichen Weg als hochsensible Frau in dieser Welt klarzukommen.

 

Gerne kannst du unter www.asmoothlife.jimdo.com reinschaun, um mehr über das Abenteuer "einfach leben" zu erfahren.